Paraguaygedanken
Ein paar Gedanken über das Land Paraguay und wie sich das Leben für uns hier in den letzten dreizehn Jahren verändert hat
Hier meine ich nicht Paraguay, sondern die Menschen, die hierher in das für uns schöne Land kommen.Ich habe mit vielen Menschen, sei es halt die Nachbarn oder auch mit weiteren Paraguayern, die z.B. im Supermarkt arbeiten, gesprochen. Hier ist man schlichtweg der Meinung, dass viele Neuzuwanderer sich wie die Axt im Wald verhalten.
Wenn man sich durch die Internetwelt über Paraguay liest, muss man feststellen, dass Paraguay eines der korruptesten Staaten Südamerikas ist, das Land sehr rückständig ist, der hohen Kriminalität wegen man sich nicht unbedingt auf die Straße wagen soll, es von Betrügern und Abzockern jeglicher Art nur so umgeben ist, aber die Einheimischen gastfreundlich und nett sind. Diese Kriterien widersprechen sich in vielen Belangen!
Daher stelle ich mich immer wieder vor die Frage, ob nicht doch wohl jeder einzelne Mensch ganz für sich alleine vor seiner eigenen Haustüre kehren sollte?!
Nun: Wie ist es denn in den deutschsprachigen Ländern? Ist da nicht die Kriminalität gestiegen?
Bandenkriege, Schulamokläufer, Taschendiebe und Einbruchdiebställe mehren sich zunehmend und der Lebensunterhalt wird immer schwieriger. Suchen wir nicht deshalb eine Alternative, um so zu leben, wie man es sich vorstellt?
Was soll man dazu sagen, was sich in der „besagten Internetwelt“ im Bezug auf Paraguay abspielt!
Um welche Art von Menschen handelt es sich hierbei, die – natürlich per Pseudonym – sich im Internet gegenseitig beschimpfen oder wohl auch in Schrift und Tat bekämpfen? Hier wird sehr häufig auch Rechenschaft und Aufklärung für meistens „erfundene Themen“ verlangt. Die Freundlichkeit oder vielmehr Höflichkeit bleibt bei diesen Themen immer auf der Strecke. Wo bleiben denn da das Verständnis und die Erkenntnis für wirklich Wichtiges? Zumal man ja auch bedenken muss, dass diverse oder viele zusammenhängende Themen erst entstehen durch Menschen, die wohlmöglich noch niemals das Land Paraguay besucht haben, ganz zu schweigen davon, dass diese Menschen in Paraguay ihr Leben verbringen und den quasi „Alltag“ im Land miterleben.
Sicherlich gibt es in Paraguay viele Probleme, es ist ein „Dritte Welt-Land“, das darf man nicht verkennen oder vergessen.
Dennoch frage ich mich: Was möchten diese Menschen, die negative Gedanken und Äußerungen über das Land und seinen Einwohner haben, damit erreichen? Vielleicht ist es ein Volkssport geworden, als dass manche deutschsprechenende Einwanderer, die wohl keiner Arbeit nachgehen müssen, sich in dieser Hinsicht eine Beschäftigung suchen?! Könnte man diese freie Zeit nicht sinnvoller anwenden?
Hier lebt man am besten mit der Devise: „Leben und leben lassen“. Vor vielen Jahren hatten die Paraguayer mehr Sympathie für die deutschsprechenden Einwanderer, sie waren fleißig: Hier eine Autowerkstatt, dort einen Bäcker, wohlmöglich gab es bei so einigen neuen Einwanderern eine kleine Milchwirtschaft, ein Restaurantbetrieb oder eine Hühnerfarm, die von einigen Einwanderern mit Mühe und Liebe ins Leben berufen wurden. Somit gab es im Land dann auch gleich viele neue/weitere Arbeitsplätze.
Wenn es Probleme mit den Wegen gab, die zum Grundstück führten, wurden sie einfach ausgebessert. Die Nachbarn profitierten auch davon und man kam dadurch schnell ins nette Gespräch und knüpfte freundliche Kontakte. Heute wird nur noch geschimpft über die schlechten Zustände, aber niemand ändert etwas daran. An die Pünktlichkeit, die in Paraguay unter den Einheimischen keine Pflicht ist, gewöhnt man sich schnell.
Natürlich hatten auch wir anfangs unsere Schwierigkeiten, sich dem Leben in Paraguay anzupassen, aber: Man gewöhnt sich sehr schnell daran. Die digitale Kommunikation war auch bei uns zum Anfang nicht gegeben, da wurde halt die „Mund zu Mund-Propaganda“ genutzt, das klappte hervorragend.
Ein paraguayischer Gärtner bekam z.B. einen Auftrag, einen Baum zu stutzen und fällte diesen dann leider, typisch deutsche Gründlichkeit könnte man dazu sagen. Nun: Der Paraguayer hatte es schließlich gut gemeint. Solche Gegebenheiten kommen vor und sind dann halt Missverständnisse, wenn man der Sprache des Landes noch nicht so mächtig ist. Der Einwanderer kam aber in früheren Zeiten niemals auf die Idee, den einheimischen Arbeiter, der ja in diesem Land seinen Ursprung findet, als „dumm“ zu bezeichnen, so wie es heute einige Neueinwanderer zu denken und zu sagen pflegen.
Wenn es – bedingt durch die unterschiedlichen Nationalitäten – zu Missverständnissen kommt, dann liegt das nicht an den Paraguayern selber, sondern im eigentlichen Sinne an dem „Deutschen Einwanderer“, der sich dann wohlmöglich noch dem „Land mit seinen Sitten und Gebräuchen sowie der Sprache“ zuwenden muss, um mit „Wissen und Verständnis“ dem Land Paraguay entgegenzusehen. Denn dann ist es erst möglich, mit den hiesigen Einwohnern einen rundum „freundschaftlichen Kontakt und somit ein sehr gutes Miteinander“ im schönen Paraguay zu führen.
Mittlerweile kommen immer mehr deutschsprechende Einwanderer hierher nach Paraguay, aber: Wie hat sich ihre Mentalität verändert?
Es gibt wirklich sehr unterschiedliche Menschen, dennoch gibt es solche und auch solche. Soll heißen: Einige Einwanderer passen sich an und kommen auch mit der Mentalität dieser hier lebenden Einwohner sehr gut zurecht. Aber es gibt auch die andere Seite der Medaille, als dass manche Menschen sich einfach nicht auf dieses Land vorbereitet haben und glauben, den Luxus von Deutschland mit nach Paraguay zu nehmen. Frei nach dem Motto: „Was ich in Deutschland für viel Geld bekomme, erhalte ich mit allen Vorzügen in Paraguay für quasi umsonst“. Das ist halt nicht der Fall. Auch in Paraguay gelten Regeln und Gesetze.
So manche möchten, wenn sie erst einmal angekommen sind, am Vormittag ein kleines Päuschen einlegen und dann schnell noch auf die Bank, zum Optiker, in die Apotheke und danach das schon erworbene Grundstück besichtigen. Bei vielen Angelegenheiten kann es dem Einwanderer einfach nicht schnell genug gehen. In Paraguay lässt man aber die „Ruhe vor der Hektik“ walten. Viele potentielle Zuwanderer müssen sich dem ganz bestimmt bewusst werden.
Nun: Es ist nicht nur das, man muss ja nebenbei auch noch viele Fragen beantworten, die ein wohlmöglicher „neuer Einwanderer“ zu stellen vermag. Die Antworten werden mit Geduld und gerne gegeben, nur: Hier ist es so, dass das ganze auch teilweise ins „Unendliche“ gelangt, wie z.B.Welcher Arzt ist empfehlenswert, wo kann man gut Essen gehen, wie kann man sich eine Existenz aufbauen, gibt es bestimmte Medikamente in Paraguay, welche Bank hat die besten Zinsen, was kosten diverse Baumaterialien und vieles mehr… . Auf gar keinen Fall wird es gerne gesehen, wenn evtl. gegebene Tipps nicht ganz der Wirklichkeit entsprechen.
Weiterhin sollte der Begleitservice doch aber gratis sein, denn in Paraguay ist doch alles gratis, nicht wahr? Und dann? Hört der „Neueinwanderer“ sich noch bei weiteren hier lebenden Menschen um, was ja auch gut und richtig ist und siehe da, auf einmal kommt der Verdacht des Betruges und oder der Gaunerei auf.
In diesem Zusammenhang ist es auch schon vorgekommen, dass nach einer Existenzgründung hier im Lande nicht alles so funktionierte, wie vorausgesehen und der Ratgebende bzw. Tippgebende musste sich dann wiederum der Beschuldigung einer „falschen Beratung und/oder der Absicht des Mitverdienens“ hergeben.
Und: Wenn man es geschafft hat, sich in Paraguay wirklich eine lebenswerte Existenz aufzubauen, dann kommt plötzlich der Neid aus allen Poren und das oft von den eigenen Landsleuten. Wie war das doch noch so schön: „Leben und leben lassen“, das ist eine Grundregel, die große Priorität genießt!!!
Es gibt auch Zuwanderer, die für viel Geld Grundstücke kaufen und dann z.B. bei einem armen Tischler, der ja Paraguayer ist, um den Preis verhandeln, es könnte sich ja lohnen, wenn sie 5.000,00 Guaranies oder 10.000,00 Guaranies dabei herunterhandeln (umgerechnet ca. 0,70 – 1,40 Euro).
Viele Einwanderer begegnen den Paraguayern mit Überheblichkeit und wundern sich um die Reaktionen der Einheimischen. Es ist schade, dass die Paraguayer inzwischen nicht gut auf uns Einwanderer (Deutsche Nationalität u.a.) zu sprechen sind, es schadet nicht nur den neuen Eingewanderten, sondern auch denen, die schon viele Jahre hier leben. Das erleben wir immer wieder, da wir hier nun doch schon so lange in diesem für uns sehr schönen Land Paraguay leben.
Wenn Gespräche mit weiteren Einwanderern, die auch schon sehr lange in Paraguay ihre Heimat haben, stattfinden, dann kommt immer die gleiche Antwort: Es ist sehr unglücklich, dass irgendwo alle Neu-Einwanderer mit einem gleichen Maß an Vorurteilen belastet werden müssen und in vielen Fällen sich auch herausstellt, dass bestimmte Vorurteile gegeben sind, sicherlich gibt es auch Ausnahmen, das muss auch so sein, denn diese bestätigen die Regel. Aber: Es sind halt leider wirklich nur Ausnahmen… .
In den deutschsprachigen Ländern sollen sich die Ausländer doch auch integrieren, warum schaffen es die Deutschen dann nicht, sich in Paraguay den Lebensregeln des Landes anzupassen? Es ist doch schließlich ein ausgewähltes Ausland oder auch Gastland, in denen man gemeinsam und miteinander leben möchte, wobei diverse Nationalitäten gegeben sind, vor allem aber die Nationalität der Paraguayer selber, die eben im besagten Land Paraguay geboren wurden und dem auch angehören. Wie sollen Menschen, die in ihrem eigentlichen Herkunftsland nicht zufrieden sind, in einem komplett „fremden Land, wie Paraguay“ auf einmal „glücklich“ werden?
Meine persönliche Betrachtungsweise liegt darin, dass ich glaube: Es wäre für so einige potenzielle Einwanderer besser, er oder sie blieben zuhause oder würden doch aus dem Land Paraguay schnellstmöglich wieder auswandern. Paraguay und all’ seine Einwohner würden dadurch sicherlich nicht „ärmer“ werden.
Mit freundlichen und sonnigen Grüßen aus Paraguay
Nora Volkmar
